Nostalgie-Archiv · Stand 09.01.2017 · nur zum Lesen

+++ Actionbilder leicht gemacht - vom Knipsen zum Fotografieren +++

SCHUGGO11.11.2010 19:36
Da ich mittlerweile einige nette Gespräche per pn und auch "live" hatte bezüglich der Bilder von Friedrichshafen, möchte ich hier einen kleinen "Leitfaden" einstellen, wie man solche Bilder hinbekommen kann. Ich hab natürlich die Weisheit auch nicht mit Löffeln gefressen, aber ich möchte Euch ein zwei Tipps mitgeben, die zu "besseren" Bildern verhelfen können.
Entgegen der weit verbreiteten Meinung geht sowas nämlich auch OHNE schweineteure Ausrüstung, alles was die Kamera bieten muss ist die Option, die Verschlusszeit manuell einstellen zu können - und das haben bereits viele Kompaktkameras! Hier verhält es sich eigentlich wie beim Modellbau auch: Die teure Ausrüstung macht nicht zwingend viel geilere Bilder, aber es macht einfach deutlich mehr Spaß :thumbup:

Heute abend gehts los mit dem ersten Schwung

Stay tuned...
SCHUGGO11.11.2010 23:10
Das wichtigste zur Fototechnik möchte ich hier ganz kurz erklären. Wichtige Begriffe werde ich mit links zu Tante Wiki hinterlegen, da können dann diejenigen mal reinstöbern, die sich mit der Technik ein wenig mehr beschäftigen möchten.
Mein Equipment kommt von Canon, es kann sein, dass bestimmte kameraspezifische Begriffe bei anderen Herstellern anders genannt werden - die denkt Ihr Euch dann eben :thumbup:

Belichtung - Zusammenspiel von Zeit, Blende und Sensorempfindlichkeit


Wichtigstes Grundwerkzeug ist das Verständnis wie das Bild korrekt belichtet auf den Sensor gebannt wird.
Hierzu benötigen wir die Begriffe Blende, Belichtungszeit und Sensorempfindlichkeit (ISO).

Stellt Euch vor Ihr wollt ein Glas Wasser unter dem Hahn mit Leitungswasser exakt bis zur Oberkante befüllen. Dieses genaue Befüllen stellt im Beispiel jetzt die korrekte Belichtung eines Fotos dar.
Verändern wir nun jeweils eine Variable, ändern sich entsprechend die beiden anderen, um zum Ergebnis "korrekt befülltes Glas" zu kommen.

Nehmen wir einmal an, wir würden den Querschnitt des Wasserhahns verändern können, und drehen diesen nun weiter auf, dann fließt mehr Wasser pro Zeiteinheit ins Glas, also dauet das Befüllen weniger lange. Der Hahn stellt nun die Blende dar, die, wenn sie weiter geöfnet wird, die Belichtungsdauer entsprechend verkürzt. Geschieht dies nicht, läuft das Glas über, bzw. wird das Bild überbelichtet.
Nehmen wir ein kleineres Glas zum Befüllen, dauert das Befüllen bei konstantem Hahnquerschnitt (oder bei konstanter Blende) ebenfalls weniger lang. Dies bedeutet an der Kamera, dass wir eine höhere Sensorempfindlichkeit (ISO) eingestellt haben und daher eine kürzere Belichtungsdauer resultiert.
Haben wir als letzte Möglichkeit eine fix definierte Zeit, in welcher der Wasserhahn offen steht, dann muss entsprechend das Glas in der Größe (ISOzahl) und der Hahn im Querschnitt (Blende) angepasst werden.

Zur korrekten Belichtung spielen diese 3 Faktoren unabdingbar zusammen und werden nun je nach gewähltem Modus komplett oder teilweise von der Kameraautomatik übernommen.
Wie groß Ihr die Blende am Objektiv aufmachen könnt steht jeweils vorne auf dem Objektiv:

18-55mm f3.5-5.6

18-55mm ist hier dann der Brennweitenbereich und f bezeichnet die mögliche Blendenleistung: bei 18mm maximal f 3.5 und bei 55mm nur noch f5.6.

Lichtstärkere Zoomobjektive halten über den gesamten Blendenbereich eine durchgehende Lichtstärke von z.b. f 4 oder f 2.8.
Noch mehr Licht gibts dann nur noch bei Festbrennweiten. Hier muss dann mit den Füßen gezoomt werden :D , dafür hat man durch die deutlich höhere Blendenöffnung des Objektivs erheblich mehr Spielraum was das Gestalten mit der Schärfentiefe angeht.
Bei der Lichstärke ists wie mit dem Hubraum: zu viel gibts nicht :thumbup:

Für kreatives Fotografieren bietet es sich also an, die Blende oder auch die Zeit vorzuwählen, da so gezielt Einfluss auf das Bildergebniss genommen werden kann.
SCHUGGO11.11.2010 23:21
Blendenvorwahl heisst bei Canon Av und funktioniert so:

Wenn das Wählrädchen mal weggedreht wird vom grünen Kästchen und auf Av gestellt wird, dann gebt Ihr der Kamera vor, mit welcher Blende (engl. Aperture) das Bild gemacht werden soll. Entsprechend wählt die Kamera die passende Belichtungszeit und Isozahl (wenn diese auf Automatik steht).

Ein häufiger Wunsch ist es, den Vordergrund eines Bildes scharf, den Hintergrund aber unscharf zu haben. Das Phänomen des eingeschränkten Schärfebereiches auf dem Foto nennt man Schärfentiefe.

Folgende Faktoren haben darauf einen wesentlichen Einfluss:

1. Je länger die Brennweite des Objektivs ist, umso größer wird dieser Effekt, sprich umso unschärfer wird der Hintergrund.
2. Je größer die Blendenöffnung des Objektivs (je kleiner die Blendenzahl im Display!), umso deutlicher verschwindet der HG in Unschärfe.
3. Je größer der Abstand Eures Hauptmotivs zum HG ist, umso unschärfer wird dieser.

Will man also bewusst mit der Schärfentiefe spielen, fotografiert man im Modus Av - bei mir zu 90%

Hier 3 Beispielbilder, Malin und Mater waren so nett und haben Model gespielt :ugly:
Alle Bilder bei Brennweite 50mm, man sieht deutlich wie bei Blende 2.8 Malin in der Unschärfe im HG verschwindet 8) während beim ersten Bild bei Blende 8 auch der HG scharf abgebildet wird...

1. Blende 8

2. Blende 5.6

3. Blende 2.8
SCHUGGO11.11.2010 23:26
Das Programm mit Vorwahl der Belichtungszeit nennt Canon Tv (von engl. time - wollts nur der Vollständigkeit halber dazuschreiben 8) )

Zeitvorwahl bietet sich immer dort an, wo Bewegung und Dynamik dargestellt werden soll. Nicht hundertprozentig scharfe Fotos sind oftmals "besser", weil sie so die Dynamik und die Bewegung auf dem Bild sichtbar machen. Bei schnellen Verschlusszeiten friert das komplette Bild ein, Bewegung muss man sich dann denken...

Möglichkeit I: Scharfes Hauptmotiv, verwischter Hintergrund


Auch hier 3 Beispiele:
Bei allen Bildern habe ich mit den fliegenden Bajas mitgezogen, sodass der Baja selbst scharf abgebildet wird und der HG entsprechend verwischt. So erzeugt man Dynamik und Bewegung im Bild

1. Matzes Baja bei 1/200stel

2. Matzes Baja bei 1/80stel

3. Baja bei 1/40stel

Je länger die Belichtungszeit, umso stärker ist das Verwischen im Hintergrund, umso dynamischer wirkt das Bild. Allerdings ist dann die Gefahr des Verwackelns auch größer und man produziert mehr Ausschuss... :ugly:

Und weils so geil ausschaut muss das hier auch nochmal rein:

Peppis Baja bei 1/60stel Sekunde Belichtungszeit

Dadurch dass sich der Baja nicht parallel zu meiner Kamera bewegt und nach der Kurvenausfahrt geschlingert hat ergibt sich die Besonderheit, dass fast nur die Dämpferbrücke vorne scharf ist und der restliche Baja ebenfalls wie der Hintergrund bereits in Unschärfe taucht. Geiles Endprodukt, aber nicht zu reproduzieren 8)

Möglichkeit II: Scharfe Umgebung, verwischtes Hauptmotiv


Eine weitere Möglichkeit Bewegung im Bild zu erzeugen hat man mit ebenfalls längeren Verschlusszeiten. Hierbei wird das Hauptmotiv selbst unscharf verwischt, die weniger wichtigen restlichen Bildteile bleiben scharf. Für solche Bilder bietet sich ein Stativ an, damit keine unerwünschten Verwacklungen im Bild entstehen. Bildstabilisatoren modernerer Objektive helfen hier auch ungemein.

Generell gilt zum verwacklungsfreien Fotografieren: Der Kehrwert der Brennweite kann ohne zu verwackeln aus der Hand gehalten werden. Sprich bei Brennweite 50mm sollte die Verschlusszeit nicht unter 1/50 sec. liegen, ansonsten ist die Gefahr des Verwackelns sehr groß.

2 Beispiele:

Peppis Monster auf der langen Geraden

Durchfahrt am Fahrerstand
SCHUGGO21.11.2010 15:10
Wie die Faktoren Zeit, Blende und ISO zusammenspielen um eine korrekte Belichtung zu erzielen haben wir oben schon gesehen. Wie das ganze aber in der Kamera funktioniert bzw. wie die Kamera entscheidet, wann es richtig ist, zeig ich Euch jetzt.
Ich beziehe mich hier wieder auf Canon, möglicherweise nennen andere Hersteller die folgenden Begriffe anders...

Um zu einer korrekten Belichtung zu kommen gibt Canon 4 Messarten der Belichtung vor (die manuelle Messung lassen wir hier mal weg...)
Man unterscheidet bei der Belichtungsmessung zwischen

Mehrfeldmessung
Integralmessung
Selektivmessung und
Spotmessung

Von oben nach unten wird hier jeweils zur Bildmitte hin die Gewichtung der gemessenen Helligkeit stärker bewertet und die Belichtung danach ausgerichtet, sprich die Belichtungsmessung orientiert sich stärker um das mittlere Autofocusfeld herum.

So müsst Ihr Euch das bei Canon vorstellen:

Mehrfeldmessung
Integralmessung
Selektivmessung
Spotmessung

Beispiel:

Ihr fotografiert eine Person die in starkem Gegenlicht steht und die Kamera steht auf Mehrfeldmessung. In diesem Messmodus versucht die Kamera nun ein ausgewogenes Verhältnis zu erzielen zwischen relativ dunkler Person gegen sehr hellem Hintergrund. Alle Felder zur Belichtungsmessung - bei Canon sind das bei den einfacheren Kameras i.d.R. 49 - werden gleich stark in die Messung einbezogen. Das Ergebnis sieht so aus, dass die Person im Vorgergrund zu dunkel wird, weil die Kamera immer versucht einen Grauwert von 18% zu erzielen - das ist bei jeder Messung so vorgegeben. Hat man also viele helle Teile - und damit viele helle Messfelder zur Belichtungsmessung - dann wird relativ so belichtet, dass über das gesamte Bild - über alle 49 Felder hinweg - im Durchschnitt ein Wert von 18%igem Grau entsteht.
Warum ist das so? Die Kamera hat keine Ahnung ob man was helles oder dunkles fotografiert, sie weiss nur dass im Schnitt ein 18%iges Grau entstehen soll. Es entsteht auch ein rein graues Bild, wenn man einen komplett schwarzen oder weissen Karton fotografiert - proierts aus...

Stellt man nun z.B. auf Selektiv- oder Spotmessung, dann bewertet die Kamera die Bildmitte für die Belichtungsmessung mehr als den Rest des Bildes, und somit erhält man eine korrekt belichtete Person im Vordergrund - und eventuell einen überbellichteten Hintergrund.

Je nach Situation muss man hier ein bisschen probieren - koscht ja nix :D
SCHUGGO28.11.2010 18:46
Weiter gehts:

Die Wahl des richtigen Autofokusfelds und die Arbeitsweise des Fokus bestimmen, wo das Bild die meiste Schärfe zeigen wird.
Bei meiner 5D sind die Autofokusfelder so angeordnet, kleiner Blick durch den Sucher (ich hab Mater heimlich bei seiner großen Leidenschaft fotografiert :D )



Wie man sehen kann habe ich 9 Felder für den Autofokus zur Auswahl, wenn ich nicht im Automatikmodus sondern in den Kreativmodi (Av, Tv, M) fotografiere. So kann ich bei der Bildgestaltung festlegen, welcher Teil im Bild die höchste Schärfe erhalten soll. Beim Arbeiten mit der Blendenvorwahl (Av) bestimmt dann wieder die Blendenöffnung die räumliche Ausdehnung der Schärfe im Bild, die Schärfentiefe.

Am genauesten und besten arbeitet in aller Regel das mittlere Autofokusfeld, die nicht-professionellen Kameras haben dort bessere Sensoren verbaut als in den äußeren Feldern.

Canon spendiert all seinen Kameras drei Arbeitsmodi für den Autofokus, zwei davon sind aus meiner Sicht gut zu nutzen:

One-Shot AF bedeutet, ihr drückt den Auslöser halb durch, die Kamera stellt scharf und speichert diesen Wert. Auch wenn die Kamera jetzt geschwenkt und bewegt wird bleibt die Scharfstellung auf den vorherigen Punkt gespeichert bis man entweder neu fokusiert oder endgültig durchdrückt.
Dieser Modus bietet sich an, wenn man statische Motive fotografieren will, denn wenn sich durch das Bewegen der Kamera die Distanz zum zuvor anvisierten Objekt ändert oder sich das Motiv selbst bewegt, stimmt die Einstellung nicht mehr und die Schärfe liegt im Bild nicht dort wo sie sein sollte.

Servo AF bedeutet, dass die Kamera bei angedrücktem Auslöser permanent die Schärfe für das zuvor ausgewählte Autofokusfeld nachkorrigiert, wenn sich das Objekt im Fokus bewegt und sich dadurch die Entfernung zur Kamera verändert (Ändert sich die Distanz zur Kamera nicht stimmt die Einstellung immer, da wir im zweidimensionalen Raum bleiben)

Bewegte Objekte und fliegende Bajas nimmt man am besten aufs Korn, wenn man das mittlere Autofokusfeld aktiviert und die Fokusautomatik auf Servo stellt
SCHUGGO28.11.2010 18:56
Dieses Kapitel kann man ganz kurz halten. Die Frage mit welcher Auflösung man fotografieren soll beantworte ich immer mit: Alles was die Kamera hergibt!
Bilder die im Nachhinein nix sind kann man löschen und damit Speicherplatz freigeben, ebenso kann man "zu große" Dateien später problemlos kleiner rechnen lassen und komprimieren. Andersrum gehts halt leider nicht...

Zudem empfiehlt sich das fotografieren im RAW-Format, die Liste der Vorteile ist schier unendlich lang.
Die Möglichkeiten der Nachbearbeitung und Verbesserung der Bilder sind im RAW-Format wesentlich ausgedehnter im Vergleich zum JPEG.

Nachträgliches ändern des Weißabgleichs und korrigieren der Tonwerte sind nur zwei der vielen Möglichkeiten.
SCHUGGO28.11.2010 19:04
Für alle die keine Lust haben sich mit den Dingen weiter oben zu beschäftigen hier die Ultra-Kurz-Anleitung wie man sich bewegende Bajas dynamisch aufs Bild bekommt:

1. Kamera auf Zeitvorwahl stellen (Tv)
2. Zeiten zwischen 1/40 und 1/250 wählen, je nach Geschwindigkeit und gewünschtem Bildergebnis
3. Bildstabilisator am Objektiv sofern vorhanden ausschalten
4. Mittleres Autofokusfeld aktivieren
5. Fokusautomatik auf Servo stellen
6. Auslöser halb andrücken, Baja anvisieren und bei gewünschtem Bild durchdrücken
7. Mitziehen :!: bis die Belichtung beendet ist
8. Grinsen wieder ausschalten :ugly:

VIEL SPAß BEIM AUSPROBIEREN UND NICHT VERGESSEN HIER ZU POSTEN :!:
SCHUGGO18.05.2011 20:42
Schaut mal hier, jetzt gibts nen Kamerasimulator. Einfach Blende, Zeit etc. verstellen und schauen wie sich die Einstellungen aufs Bild auswirken...

Kamerasimulator
Ben200825.02.2013 18:45
Hallo,
ist zwar schon etwas eingestaubt das Thema, hat uns aber sehr geholfen, toll erklärt.
:thumbup:
Wir fotografieren mit EOS 1000d. Wie wir finden ne super Einsteiger Kamera.
Wenn es etwas wärmer ist posten wir unsere Tests mit Baja und Kamera !!!


Gruß Benny
kec199725.02.2013 19:41
🖼 Bild nicht mehr verfügbar
🖼 Bild nicht mehr verfügbar
Tech Photography fotografiert hauptsächlich modellautos und kommt öfter mal mit mir mit :) er ist ein guter freund und fotografiert mit einer canon 550d und bei ihm kann ich mich drauf verlassen das gute pics rauskommen (siehe oben )
Necrofridge25.02.2013 20:18
Noch ein Tipp zu Fotos: Wenn du nicht willst, dass ein wütender Mob mit Fackeln vor deinem Haus steht, dann binde keine 2-3MB Bilder ein, die einerseits bis sie vollständig geladen sind das ganze Forum zerballern und andererseits ewig brauchen zu laden.
Selbst DSL10000 reicht nicht aus, um das in unter einer Minute zu laden ;)
Mister-XL25.02.2013 20:30
Außer dicke Hupen sehe ich nix mit meiner 100 DSL Leitung.
leute25.02.2013 20:41
Mmmmh 3 mal das gleiche Bild? Ist das Absicht?
kec199725.02.2013 20:58
sry jetzt gehts auch in foren tauglicher größe :thumbsup: