Nostalgie-Archiv · Stand 09.01.2017 · nur zum Lesen

Für alle, die in den 60ern bis 80ern aufgewachsen sind...

Longer11.08.2010 23:04
Wie wahr! Und wie schön es war!

Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft, speziell was der Gesetzgeber und die Bürokraten, die Medien und die Informationsgesellschaft uns täglich vorbeten und verbieten, müssten wir alle, die in den Sechzigern bis Anfang der Achtziger aufgewachsen sind, längst tot sein...

Unsere Kinderbetten waren mit bleihaltigen Farben bemalt und Formaldehyd sickerte aus jeder Pore. Ganz zu schweigen vom Tapetenleim, dem Kleber des Linoleums oder den PVC-Dämpfen des Stragula. Wasserfeste Filzstifte hatten Ausdünstungen, die benebelten, und wer erinnert sich noch an den leicht salzigen Geschmack des abzuleckenden Tintenkillers? Steckdosen, Medizinflaschen, Schranktüren und Schubladen waren noch nicht kindersicher.

Messer, Schere, Gabel und Licht wurden uns zwar verboten, aber meistens mussten wir uns erst einmal daran verletzten, um es zu glauben.

Unsere Fahrräder, Roller und Rollschuhe fuhren wir ohne Schützer und Helme. Die Risiken, per Anhalter in den nächsten Ort zu fahren, waren uns unbekannt!

Zum Thema Auto erinnern wir uns weder an einen Sicherheitsgurt, noch an Airbags, ABS oder ähnliche Sicherheitsvorrichtungen im Wagen des Vaters. Man saß zwar hinten, aber an einem heißen Sommertag gab es doch nichts schöneres, als seinen Kopf aus dem Fenster (das man damals noch komplett runterkurbeln konnte) des fahrenden Autos zu stecken und sich den Fahrtwind ins Gesicht blasen zu lassen, sodass man kaum noch Luft bekam.

Wasser haben wir direkt aus dem Gartenschlauch getrunken und nicht aus einer Flasche.

Wahnsinn! Wir aßen fettige Schmalznudeln und frischgebackenes Brot mit fingerdick Butter drauf; dazu gab es überzuckerte Limonaden oder künstlich gefärbtes Tri Top. Fett geworden sind wir deswegen nie, weil wir immer draußen waren. Wir haben zu fünft aus einer Limoflasche getrunken- und es ist tatsächlich keiner daran gestorben.

Wir haben stunden- und tagelang an Seifenkisten oder ähnlichen Gefährten geschraubt, die wir aus rostigem Schrott und splitterigem Holz konstruiert hatten. Dann sind wir den Hügel damit runter gebrettert, nur um festzustellen, dass wir die Bremsen vergessen hatten. Nachdem wir ein paar Mal in der Böschung gelandet waren, haben wir gelernt, auch dieses Problem zu lösen.

Wir gingen in der Früh raus und haben den ganzen Tag gespielt, höchstens unterbrochen von Essenspausen und kamen erst wieder rein, als es dunkel wurde und man den Fußball nicht mehr richtig sehen konnte.

Wir waren nicht zu erreichen. Keine Handys! Wenn es regnete, spielten wir bei Freunden Monopoly oder Mensch ärgere dich nicht, Mühle oder Dame und bauten mit Matchbox-Autos ganze Städte auf.

Wir hatten weder Playstations oder Nintendo, X-Boxen oder Videospiele, keine PCs, keine 50 Fernsehkanäle oder Surround- Anlagen. Ins Kino zu gehen war ein Ereignis, für das man sich herausputzte und das einem vor Vorfreude den Magen kribbeln ließ. Es gab noch Vorfilme, die immer eine Überraschung waren, weil keiner wusste, was zu erwarten war- und wenn zufällig ein Donald- Duck- oder Micky-Maus-Film dabei war, hatte man das ganz große Los gezogen.

Wir hatten Freunde! Wir gingen raus und haben uns diese Freunde gesucht. Wir haben Fußball gespielt mit allem, was sich kicken ließ, und wenn einer einen echten Lederball hatte, war er der King und durfte immer mitspielen, egal wie schlecht er war.

Um im Verein mitspielen zu dürfen, gab es Aufnahmeprüfungen, die nicht jeder bestanden hat. Wer es nicht geschafft hat, lernte mit der Enttäuschung umzugehen. Wir spielten Völkerball bis zum Umfallen und manchmal tat es weh, wenn man abgeworfen wurde.

Wir sind von Bäumen und Mauern gestürzt, haben uns geschnitten, aufgeschürft und haben uns Knochen gebrochen und Zähne ausgeschlagen. Wir hatten Unfälle! Es waren einfach Unfälle, an denen wir schuld waren. Es gab niemanden, den man dafür verantwortlich halten konnte und vielleicht sogar noch vor den Kadi zerrte.

Wer erinnert sich noch an Unfälle? Unsere Knie und Knöchel waren von Frühjahr bis Herbst lädiert, und ein Schienbein ohne blaue Flecke gab es nicht. Wenn wir uns an Brennesseln gebrannt haben oder uns eine Mücke gestochen hatte, haben wir entweder drauf gespuckt oder den Nachbars Hund drüber lecken lassen oder drauf gepinkelt. Geholfen hat alles.

Wir haben gestritten und gerauft, uns gegenseitig grün und blau geprügelt und gelernt, damit zu leben und darüber weg zu kommen.

Wir haben Spiele erfunden mit Stöcken und Bällen, haben mit Ästen gefochten und Würmer gegessen. Und obwohl es uns immer wieder prophezeit wurde, haben wir kaum ein Auge ausgestochen, und die Würmer haben auch nicht in uns überlebt.

Wir sind zu einem Freund geradelt, haben an der Tür geläutet und sind dort geblieben, nur um mit ihm zu reden.

Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere, also haben sie eine Klasse wiederholt. Sie sind nicht durchgefallen, sondern wurden von den Lehrern einfach zurückgestuft. Zensuren bei Proben wurden nie manipuliert,egal aus was für Gründen. Wir waren für unsere Aktionen selbst verantwortlich.

Konsequenzen waren immer zu erwarten, wenn wir Sch.... gebaut hatten. Der Gedanke, dass ein Elternteil uns rauskloppt, wenn wir mit dem Gesetz in Konflikt geraten waren, war undenkbar. Im Gegenteil: Die Eltern stellten sich auf die Seite des Gesetzes. Stellt euch das einmal vor!

Unsere Generation hat einige der größten Enterpreneure und Erfinder hervorgebracht. Die letzten 50 Jahre waren eine wahre Explosion an Innovationen und Ideen. Wir hatten Freiheit und Zwang, Erfolg und Misserfolg, Verantwortung und Konsequenz. Und wir haben gelernt damit umzugehen.

Erinnere Dich daran, wie Du aufgewachsen bist und Du wirst sehen, was unseren Kindern heute fehlt. Als die Eltern einmal ein Auge zudrückten, anstatt die Kinder mit übergroßer Vorsicht zu erdrücken. Unsere Eltern trauten uns zu, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Meistens hat es geklappt. Die paar Mal, die daneben gingen, zählen wir zu unseren Lebenserfahrungen.

Informiere alle, die du kennst, die sich auch zu dieser glücklichen Generation zählen dürfen, als Kinder noch Kinder waren, und noch keine Anwälte mit Schadensersatzklagen und Regierungen mit kinderfeindlicher Politik unseren Alltag bestimmten.
Leines11.08.2010 23:41
...wahre Worte!!! Macht mich nachdenklich!
rs212.08.2010 00:20
JA DAS STIMMT :thumbup: :censored: :thumbup:
UND WAS IST HEUTE ???????
SpiderPOH12.08.2010 09:23
ohhhjaaaaaa, die guten alten Zeiten...
TriTop oder Sunkis geiles gesöff...*lach*
und beim Bäcker gabs immer "gedatschte" (Brötchen mit Mohrnkopf drauf) das war meist unser Frühstück und fett bin ich trotzdem net geworden..*rofl*
Und wenn man seine Eltern beim Bäcker begleitet hat gab es auh ab und an diese kleinen 4eckigen Kaubonbons (Kirche,Zitrone,Himbeer,Erdbeer,Orange)

Wir haben im Wald noch Baumhütten gebaut und im Wald uns irgendwo versteckt einen Unterschlupf gebaut wo mann sich getroffen hat...

WIR WAREN JUNG , WIR WAREN GLÜCKLICH , WIR WAREN GESUND !
nettchen12.08.2010 10:31
jaja, die gute alte zeit ! jetzt haben wir schon fast verhältnisse wie in der ehemaligen DDR. wir ANGEBLICH ach soooo freien deutschen bekommen bereits alles vorgeschrieben was man darf oder auch nicht (z.b. rauchen in der kneipe, nur eines von vielen) .
wenn man als elternteil seine kinder ohne schutz fahrrad fahren lässt oder auf inliner stellt wird man schon schief angesehen und alles was früher keine sau interessierte ist heute sowas von ungesund das man sich wundern muss das die menschheit bis heute noch nicht ausgestorben ist.
gib deinem kind mal nenn klaps und du hast das jugendamt am hals und meinereiner hatte die ein oder andere schelle bekommen die sich soo in meine erinnerung gebrannt hat wie mein erster sturz vom fahrrad (ohne helm) . das hatte keine sau interessiert da es einfach dazu gehörte.
naja, da kann man lange und sehr viel schreiben und man würde nie ans ende kommen. es ist halt so wie es ist.
Popel12.08.2010 15:27
Oha wie wahr das doch alles ist....

meine 2 besten Beispiele

1.)Ich habe mit meinem Dad Rad fahren gelernt (kein Helm), es war ein Platz mit Rasen und Sand und es gab Spurrillen von Autos... mein Vater sagte zu mir pass bei den Rillen auf und kreuze sie nicht schräg. Ich achwas, was soll da passierern .... und BUMM hats gemacht und ich bin auf der Schnautze gelegen und ich leb immer noch und habe dadurch gelernt.

2.) Mein Vater schaute TV mir hat das Programm nicht gepasst (ich war so ca 5 Jahre) und dachte mir ich schalt mal den TV aus. ER warnte mich dass etwas passieren würde, ich tat es trotzdem und dann gabs halt mal ordentlich auf die Finger (ich hab noch alle) und draus gelernt hab ich auch.

greetz
Noog Man13.08.2010 09:30
Ich wurde 1970 geboren und ich finde mich in jedem Absatz wieder, es war eine schöne Zeit.

Was werden wohl unsere Kinder später mal schreiben wenn sie 40 sind?
Ich hoffe sie werden auch Stolz auf ihre Kindheit sein können.
Ich werde jedenfalls versuchen ihnen diesen Stolz zu ermöglichen.
jr!13.08.2010 10:58
Würmer hab ich nie gegessen, aber was anderes war es früher schon.
Aber heutzutage hast du ne viel höher Verkehrsdichte das es schon selbstmord ist sein Kind ohne Helm auf die Strasse zu lassen mit dem Rad.
Früher bin ich mitn Fahrrad über die Hauptverkehrstrasse mit Bahnverkehr gefahren, da kam nie ein Auto und wenn hast dus gehört.
Heute machst du das zweimal und bist sicher einmal überfahren.
Rodeln auf Strasse war früher gang und gebe heute nicht mehr denkbar, selbst bei uns in den 30er zonen hier, kann man es vergessen.
Was mich natürlich irgendwie wundert früher hatten wir einmal ein Fall von Läusen im Kindergarten, da gabs die Läuselise wie se immer gehänselt wurde.
Heute kannst du davon ausgehen das fast jede 2-3 Wochen sowas in der Kita oder Schule an der Tür steht. Ganz zu schweigen wie oft es vorkommt das Röteln oder andere Kinderkrankheiten auftreten von den man früher nur gehört hatte das es sie gibt.
Aber meine Kinder werden genauso erzogen, lieber draussen im Matsch spielen als den ganzen Tag vor der Glotze.
jr
tom13.08.2010 11:26
Da hat sich jemand vieel Zeit genommen :) Respekt ;)
Ich finde den Text auch sehr gut geschrieben, alles dadrin stimmt - aber man muss immer berücksichtigen, heute ist nicht früher, Zeiten ändern sich..
Ich wäre allerdings auch gerne in dieser Zeit aufgewachsen.. die Welt wie sie momentan ist, nun nicht mal die Welt sondern die Menschen, die Meinungen usw gehn mir gewaltig gegen den Strich.. Es gibt soviel das früher besser war und heute verkommt alles.. Die Menschen in einem Dorf (wie bei uns) halten nicht mehr zusammen.. man regt sich über etwas auf (natürlich spätabens in der einzigen (von 4) verbleibenden wirtschaft) und am nächsten Tag sind alle Probleme vergessen und man trägt selbst noch dazu bei.. jeder will besser sein, besser dastehen, koste es was es wolle.
Ich kann nicht mitreden über die alten Zeiten, aber ich bekomme genug mit um zu wissen dass sich viel verändert hat, manches zum Guten manches zum Schlechten.

Weiterhin glaube ich allerdings, wenn meine Generation erst mal so 30-40 Jahre hat werden wir das gleiche sagen können - haben eure Väter euch nicht auch schon gesagt was seit deren Jugend alles schlechter geworden ist?
Im Nachhinein hatte jeder eine mehr oder weniger gute Jugend (abhänging von den Verhältnissen wo er aufwächst) und kann nachher stolz darauf sein - ich bin es jetzt schon :)

in dem Sinne,

Gruss

Tom (18 :rolleyes: )
Noog Man13.08.2010 11:47
@ Tom

Du hast nicht ganz unrecht. Das wir "alten" gerne an unsere Kindheit und Jugenzeit zurück denken ist ganz logisch und man vergleicht natürlich das selbst erlebte mit dem heutigen. Das früher auch nicht alles gut war ist auch klar, man vergisst nur die schlechten Sachen ziemlich schnell.

Die Möglichkeiten, die die Jugend heute hat da haben wir damals noch nichtmal von träumen können.